Ein ganzes halbes Jahr – Jojo Moyes

Jetzt ist der Film passend zu meinem heutigen Beitrag auch schon wieder abgelaufen und ich habe es nicht geschafft, den Beitrag zu veröffentlichen. Deshalb kommt er jetzt, besser spät als nie, noch online. Schließlich ist es doch recht kühl und frisch mittlerweile und vielleicht ist eine Leseratte noch auf der Suche nach einer geeigneten Lektüre. Deshalb kommt folgend meine Einschätzung zum Buch. Und eins noch vor ab: ich bin sehr skeptisch gegenüber so unglaublich gehypten Filmen, die auf Büchern basieren.

„Lou und Will. Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt. Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.“ (Quelle: Klappentext der Taschenbuchausgabe)

IMG_1527

Als Taschenbuch hat mich das Buch etwa 10 Euro gekostet. Ich habe die Ausgabe mit dem Filmcover gekauft, auf dem Bild trägt Lou das wundervolle rote Kleid von dem Konzertbesuch (ein wirklich wunderschönes Kleid!). In meinem Buch sind auch Bilder der Verfilmung enthalten, was eigentlich für mich nicht zwingend nötig gewesen wäre. Eigentlich bin ich kein Fan von Büchern mit dem Filmcover, aber die „normale“ Ausgabe war in meiner Buchhandlung nach Erscheinen des Films im Kino nicht mehr erhältlich und ich hätte es bestellen müssen. Es lässt sich flüssig lesen und bedient sich keiner besonders schweren oder anspruchsvollen Sprache, was es zur geeigneten Lektüre für Kaffeepause, Zug- oder Busfahrt macht.

Besonders die Thematik des Buches schärft einem nachhaltig den Blick für Menschen im Rollstuhl oder anderen Einschränkungen und deren Lebenssituation. Gerade in größeren Städten wie bei mir hier in Stuttgart begegnet man beim Einkaufen, auf dem Weg zur Uni, am Bahnhof oder in den U-Bahnen immer wieder Menschen, die Hilfe brauchen und diese nicht immer bekommen. Im Buch begegnet Lou genau so einem Menschen. Will ist bedingt durch einen Unfall im Rollstuhl und ist auf Betreuung angewiesen. Da Lou ihren Job verloren hat, akzeptiert sie das lukrative Angebot und lässt sich mit anfänglichen Vorurteilen auf die neue Situation ein. Nach einigen Wochen setzt sie sich ein Ziel: sie möchte Wills Leben verändern und organisiert Ausflüge und andere Unternehmungen.

IMG_1531

Wie ich schon anfangs geschrieben habe, bin ich bei den meisten verfilmten Büchern zu Beginn etwas skeptisch. Vor allem bei solch gehypten Büchern. Es gab, außer mir, zumindest in meinem Freundes- und Bekanntenkreis keine Frau, die nicht für dieses Buch geschwärmt hat. Und ich wurde bekehrt. Nicht zwingend wegen den großartig gestalteten Figuren oder Lous Wortgewandtheit, sondern wegen der Thematik. Uns Otto-Normal-Menschen fehlt im Alltag das Feingefühl für gewisse Situationen, etwa Beeinträchtigten oder auch Flüchtlingen (darauf bin ich ja schon in meinem Beitrag zu Khaled Hosseini eingegangen). Da ist es gut, dass es Bücher und auch Filme gibt, die für solche Situationen sensibilisieren und verdeutlichen, wie schwer ein Leben sein kann und wie sehr Menschen unter Unfällen und daraus resultierenden Lebensumständen leiden können.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag hilfreich weiterhelfen zu können und vielleicht jemanden zu einem guten Buchkauf bewegt zu haben. Ich halte das Buch übrigens auch für ein gutes Weihnachtsgeschenk, darüber muss man sich ja auch langsam wieder Gedanken machen:) Liebste Grüße aus Stuttgart!

Bob und wie er die Welt sieht – James Bowen

Passend zum im Herbst in die Kinos kommenden Film „Bob, der Streuner“habe ich den zweiten Teil der wundervollen Geschichte gelesen und möchte hier darüber berichten. 

Ich liebe Katzen. Kein Wunder also das mich die Geschichte so berührt und gefesselt hat. lustigerweise habe ich mich irgendwann in den vergangenen Tage daran erinnert, dass ich schor ich das erste Buch über die Straßenkatze und den Musiker gelesen habe, ein Interview mit beiden im Fernsehen gesehen. Das erste Buch war eine Mischung aus Faszination für diese Mensch-Tier-Bindung auf der einen Seite und das Mitleid über die Situation der Obdachlosen und der Drogenabhängigen (hier in London, ich glaube aber, dass sich das Beschriebene ganz gut auf viele andere Städte übertragen lässt).

IMG_1552

Das Buch kostet als Taschenbuch 9 Euro und ist seit etwa zwei Jahren zu haben. (Es ist ratsam, Band 1 vor Band 2 zu lesen. Manchmal ist die Reihenfolge ja nicht ganz so wichtig, aber hier lernt der Leser in Band 1 eine Menge über James` Vergangenheit und die Bindung zwischen ihm und Bob.)

Buch 2 steigt da viel positiver ein; James und Bob haben eine Bleibe, James hat seinen Entzug beinahe hinter sich und sie sind nach wie vor ein schrilles und auffälliges Paar auf Londons Straßen und verkaufen das Magazin „The Big Issue“. Ihr Leben hat sich zwar verbessert, da James die Entzugsmittel reduzieren kann und James verbessert nach und nach de Beziehung zu seinen Eltern. Aber es gibt immer noch ein großes Ziel: James möchte von der Straße weg und für sich und den Kater eine schönere Zukunft schaffen, eine mit einem besseren Einkommen und ohne Geldsorgen. Letztendlich durchleben beide noch schlimme Wochen, in denen James krank ins Krankenhaus muss und Bob bei einer Freundin untergebracht wird. Schön erzählt wird auch die Entwicklung des Buches, für welches James sich nach anfänglicher Skepsis mit einem Autor trifft und eigentlich nicht so recht an den Erfolg des „kleinen Projektes“ glaubt.

IMG_1553

Erzählt wird in einzelnen kleinen Episoden, die meist eine Anekdote aus dem Leben der beiden wiedergeben. Viele lassen dem Leser das Herz aufgehen, andere sind traurig, denn sie zeigen die dunkeln Seiten der Gesellschaft auf. Sie erzählen von dem Verlust von Kameradschaft und Zusammenhalt und teils von Ungerechtigkeit.

Ich war beim Lesen (im Zug) oft den Tränen nahe, denn wahre Geschichten und „echte Charaktere“ bewegen mich immer sehr. (Was wohl meine Mitfahrer gedacht haben müssen!) Sprachlich ist das Buch bestimmt keine hohe Literatur, aber es weckt unglaublich viele Gefühle in einem, was das Buch zu einem Erlebnis macht. (Ich persönlich mag wahre Geschichten, weil das Leben die schönsten Geschichten schreibt.) Ich kann das Buch absolut empfehlen, als Urlaubslektüre oder wie für mich für lange und häufige Zugfahrten.

Und wem das Buch gefallen hat, der kann sich so wie ich auf den Kinofilm freuen, der im Januar 2017 in die deutschen Kinos kommen wird. Bob wird sich natürlich selbst darstellen, darauf freue ich  mich am meisten;) 

Die Landkarte der Zeit – Félix J. Palma

Bei manchen Büchern hat man als Leser das Gefühl, eigentlich bis zur letzten Seite nichts so richtig zu verstehen. „Die Landkarte der Zeit“ war genau so ein Buch. Ausgesucht habe ich das Buch weder nach dem Titel noch nach dem Klappentext, sondern weil ich gerne Spiegel-Bestseller lese. Meistens überraschen mich diese Bücher (positiv), obwohl ich sie unscheinbar oder nicht besonders viel versprechend finde. (Und bisher wurde ich auch noch nie enttäuscht, sondern habe stattdessen einige Bücher kennen gelernt, die ich sonst  nie gekauft hätte.)

IMG_1547

Das Buch kostet als Taschenbuch etwa 10 Euro, ist zur Zeit eigentlich in so gut wie jedem Buchhandel erhältlich und wurde von Félix J. Palma geschrieben. Erzählt wird eine Geschichte in drei Handlungsabschnitten, in denen der Leser mit Andrew, Claire und dem Autor H.G. Wells Bekanntschaft macht und diesen folgt. Andrew versucht in die Vergangenheit zu reisen um seine Geliebte Marie vor dem Mörder Jack The Ripper zu retten und bittet Wells gemeinsam mit seinem Cousin um Hilfe. Claire dagegen langweilt sich in ihrer Gegenwart und reist gemeinsam mit ihrer Freundin mithilfe des Unternehmens „Zeitreisen Murray“ in die Zukunft und die für die Menschheit alles entscheidende Schlacht zu sehen und verliebt sich in den Hauptmann der Streitigkeiten.  Immer wieder ist der Autor Wells in die einzelnen Handlungsabschnitte eingebettet, der den Erfolgsroman „Die Zeitmaschine“ im Jahre 1895 schrieb. (Ein ebenfalls sehr lesenswertes Buch!)

Also, zusamenfassend, ich versuche wirklich so wenig wie möglich zu verraten, bin ich immer noch nicht so ganz schlau geworden aus dem Buch. Ist letztendlich jemand durch die Zeit gereist oder nicht? Ich weiß es wirklich nicht. Aber gut war das Buch, unterhaltsam und spannend. Die Charaktere fand ich gut, zum Teil sehr einfallsreich und dass manche sterben (müssen) war sehr schade. (Ich trauere immer über verlorene Charaktere, vor allem wenn ich sie irgendwie mochte.) Da ich auch Teil 2 der Buchreihe besitze, lasse ich mich die nächsten Tage mal von diesem Band überraschen und bin gespannt, ob mich dieser genau so sehr verwirrt wie der erste Teil.

Sprachlich fand ich das Buch sehr flüssig und einfach zu lesen. Damit ist es für mich die perfekte Zuglektüre, die einen auf längeren Fahrten unterhält. Manchmal kommen schon bekannte Formulierungen von unterschiedlichen Charakteren wieder, was mir nicht so gut gefiel. Damit verlieren die Charaktere an Tiefe, da sie alle „die gleichen Sätze, Wörter und Formulierungen verwenden“. (Mir ist klar, dass die Geschichte auch von einem Autor geschrieben wurde, aber das hätte man evtl. bei der Übersetzung besser bearbeiten können.)

Also abwarten, auch zu Teil 2 wird es etwas zu lesen geben. (Es ist wirklich schwierig, über ein Buch zu schreiben und nicht den kompletten Inhalt preiszugeben. Ich will ja keineswegs alles oder einiges verraten, sondern lediglich einen Einblick und Anreiz geben. Ich überlege bei Buchrezensionen immer sehr genau, was ich schreiben kann, ohne alles zu verraten. Ich hoffe, das auch einigermaßen zu schaffen;)

Mein absoluter Tipp für dieses graue Wetter: „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“

Nach langer Abstinenz bedingt durch meine Hausarbeitenphase habe ich nun endlich wieder Zeit und auch Muse, wieder mehr für meinen Blog zu schreiben. (Meine Finger taten die letzen Wochen vom vielen Tippen wirklich teilweise weh und vor lauter Forschungsliteratur war mir nicht mehr nach viel Anderem außer Schlafen und Essen.) So viel zu meinem Alltag die letzen Wochen, aber jetzt habe ich erst einmal wieder etwas Freizeit und vorallem habe ich mein Leben wieder! *Sehrglücklich*

Und zur Feier des Tages wollte ich hier eines der Bücher vorstellen, die ich noch zu Ende lesen konnte, bevor ich mich nur noch mit schnöder, öder und langweiliger Literatur zubeschäftigen. Es handelt sich um „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ von Rachel Joyce. (Ich kaufe oft Bücher von der Bestsellerliste, auch wenn mich der Titel nur wenig anspricht. So war es auch in diesem Fall.) Vorne weg: Rachel Joyce hat noch ein weiteres Buch geschrieben, aufbauend auf dieser Geschichte, allerdings aus einer komplett anderen Perspektive.

 IMG_7657

Zum Buch: Ich habe die Hardcover-Ausgabe gekauft, das Taschenbuch ist aber für ca zehn Euro zu haben. Im Hardcover hat das Buch 378 Seiten, die voller Gefühl stecken.

Zur Geschichte: Erzählt wird aus Harold Frys Leben, seinen Familienumständen und seiner Arbeit, die er gewissenhaft und zufrieden erledigt. Bis zu dem Tag an dem er einen Brief von seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie erhält. Sie ist im Norden Englands in einem Hospiz und wartet auf ihren Tod, zuvor wollte sie sich verabschieden. Danach schreibt Harold eine Antwort und will sie zum Briefkasten tragen. Aber stattdessen läuft er einfach los und läuft komplett durch ganz England um Queenie am Leben zu halten. Auf seiner Reise trifft er unterschiedlichste Leute, die von seiner Geschichte und seiner Idee begeistert sind und sich von seiner Sicht der Dinge inspirieren lassen. Harolds Frau Maureen leidet zuerst sehr unter der Reise, die ihr Mann plötzlich und ohne Vorwarnung zu einer anderen Frau antritt. Sie versteht nicht, wieso er so handelt. Vieles ist in der Ehe der beiden schief gelaufen und nun deken beide über ihr Leben und ihre Fehler nach. Nachdem Harolds bei Queenie angekommen ist und sie gesehen hat, spricht er mit Maureen. Sie verstehen einander nun mehr und kommen sich wieder näher.

Bevor ich zu meiner Meinung zum Buch komme, noch ein schöner Satz aus dem Buch:

„Er (Harold) maß die Entfernung nicht mehr in Kilometern, sondern in Erinnerungen.“ – Rachel Joyce, Die unwahrscheinliche Pligerreise des Harold Fry

IMG_7663

Ich muss gestehen, so schrecklich umgegangen bin ich noch nie mit einem Buch. Mittlerweile ist es voller Eselsohren, markierter Stellen und Tränenflecken, weil ich mitten im Zug angefangen habe, zu weinen. Die Einsichten Harolds über das Leben und die Fähigkeit, andere Menschen zu begeistern, hat mich komplett mitgerissen. Dieses Buch war eine totale Überraschung, wirklich! (Ich habe bisher auch vielen meiner Freunde und auch meiner halben Familie dieses Buch aufgedrängt, einfach nur, weil das Buch es verdient hat, gelesen zu werden.) Also, kauft es euch, es lohnt sich. Bislang war niemand enttäuscht von meiner Empfehlung!